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Fluorid in der Zahnmedizin – Entwicklungen bis 1950

Fluorid in der Zahnmedizin – Entwicklungen bis 1950

So wurde die kariesprophylaktische Wirkung von Fluorid bewiesen

Um 1900 war die Idee, Fluoride hätten eine günstige Wirkung auf die Zahngesundheit, bereits seit einigen Jahrzehnten durchaus verbreitet. Wirklich bewiesen war damals aber noch gar nichts. Im Gegenteil: In den 1890er Jahren hatte ein Chemiker namens Wrampelmeyer den Fluoridgehalt von (allerdings insgesamt lediglich zehn) intakten und kariösen Zähnen untersucht und war selbst enttäuscht, nicht die erwartete Korrelation zwischen Fluoriddichte und Zahngesundheit zu finden.

So kam lange Zeit auf jeden überzeugten Fluorid-Verfechter unter den Zahnärzten und Medizinern mindestens ein Zweifler mit ähnlich guten Argumenten. Die entscheidende Arbeit zur vermuteten kariesprophylaktischen Wirkung von Fluorid wurde erst zwischen 1901 und 1939 in den USA geleistet.

1901: Eine ganze Stadt hat braune Zähne (und keine Karies)

Dem frisch graduierten Zahnarzt Frederick McKay, der 1901 seine Praxis im Städtchen Colorado Springs eröffnete, fielen die vielfach extremen braunen Verfärbungen der Zähne seiner Patienten auf. Und da war mehr: Die braunen Zähne sahen zwar fürchterlich aus, zeigten aber eine kuriose Widerstandsfähigkeit gegen Karies. Das Desinteresse vieler Kollegen hielt McKay nicht davon ab, sich Mitstreiter zu suchen und den Ursachen auf den Grund zu gehen.

“Colorado Brown Stain” – McKay lässt nicht locker

McKays Detektivarbeit zeigte 1923 die ersten Früchte, als ein Vorkommnis in der Nachbargemeinde Oakley seine Hypothese bestätigte, die ganze Sache könnte etwas mit dem Trinkwasser zu tun haben. In Oakley hatte man gerade eine neue Wasserleitung zu einer einige Meilen entfernten Quelle in Betrieb genommen, als sich in dem bislang von den braunen Flecken verschonten Ort plötzlich Verfärbungen an Milchzähnen zeigten. McKay konnte in Wasserproben nichts Verdächtiges finden, riet der Gemeinde aber, das neue Wasser nicht mehr zu nutzen – und die Kinder mit den fleckigen Milchzähnen konnten sich ein paar Jahre später über perfekte bleibende Zähne freuen.

1931: Der Beweis

Auch aus Bauxite, einer dem Aluminiumhersteller ALCOA gehörenden Retortenstadt in Arkansas, wurden McKay die braunen Flecken gemeldet – während sie in einer nahegelegenen Nachbarstadt nicht auftraten. Jetzt näherte sich das 30-jährige Rätselraten seinem Ende.

H.V. Churchill, versierter Chefchemiker von ALCOA, las McKays Publikation über die Zahnbefunde von Bauxite und unterzog das Wasser der Stadt einer sehr gründlichen Untersuchung. ALCOA hatte seit Jahren mit Behauptungen zu kämpfen, Geschirr aus Aluminium sei giftig, und Churchill wollte sichergehen, dass die Flecken nichts mit einer Aluminium-Verunreinigung des lokalen Wassers durch die Bauxit-Förderung zu tun hätten. Statt Aluminium fand er Fluorid. Das war so unerwartet und ungewöhnlich, dass er zunächst an eine Kontamination der Probe dachte. Wiederholte Tests aber brachten Gewissheit. 1931 kontaktierte Churchill McKay, ließ sich auch Wasserproben aus den anderen Städten schicken, und die beiden brachten das Rätsel um den “Colorado Brown Stain” (heute als Dentalfluorose bekannt) gemeinsam zu seiner Lösung.

Bis 1950: Die Grundlagen der modernen zahnmedizinischen Prophylaxe sind gelegt

McKays Untersuchungen schlossen sich zahlreiche Beobachtungsstudien zur kariesprophylaktischen und zahnverfärbenden oder nicht-verfärbenden Wirkung verschiedener Fluorid-Dosen an: Für Fluoridkonzentrationen unterhalb von einem Milligramm pro Liter Trinkwasser, so stellte man fest, ergab sich ein kariesprophylaktischer Effekt ohne Dentalfluorose. Lassen wir die damals wie heute umstrittene Trinkwasserfluoridierung einmal beiseite: Durch diese Untersuchungen bekamen auch Zahnpflegeprodukte mit Fluoridzusatz erstmals echten wissenschaftlichen Aufwind.

Dazu kamen bald Laborstudien, die dem Mechanismus der Entstehung von Karies und den Einfluss von Fluorid auf den Zahnschmelz systematisch nachgingen. Arbeiten wie: “Der Effekt von Natriumfluorid auf die Löslichkeit von Calciumphosphat, Zahnschmelz und ganzen Zähnen in Milchsäure” (J.J. Rae, 1945) legten den Grundstein für unser heutiges Verständnis der Karies-prophylaktischen Wirkung von Fluorid. Mehr darüber lesen Sie in diesem Beitrag.

(Foto: © adiruch na chiangmai, fotolia.com)


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