Sedierung mit Lachgas beim Zahnarzt

Sedierung mit Lachgas beim Zahnarzt

Bange vorm Zahnarzt? Lachgas hilft!

Lachgas – Distickstoffoxid – entspannt, befreit von Angst und wirkt zudem auch etwas anästhesierend. Das Gas ist eine ideale Möglichkeit, Angstgefühle und Stressreaktionen wie Schwitzen, Herzrasen oder Zittern einfach auszuschalten, mit denen der Körper beim Betreten des Ordinationszimmers gern mal alle guten Vorsätze sabotiert. Auch Patienten mit starkem Würgereiz profitieren erfahrungsgemäß sehr von der entspannenden Lachgas-Wirkung.

Die Lachgassedierung funktioniert perfekt – und Nebenwirkungen und Probleme sind so enorm rar, dass man schon das Wort “nebenwirkungsfrei” verwenden darf.

Das sind die Vorteile von Lachgas

In den USA etwas ganz Selbstverständliches, ist Lachgas im deutschsprachigen Raum immer noch eher ein Exot. Obwohl das Gas mit Recht als die angenehmste Form der Sedierung beim Zahnarzt beschrieben wird. Und eine Reihe von weiteren Vorteilen hat: Abgesehen von einigen selten auftretenden Kontraindikationen, die im Vorfeld abgeklärt werden müssen, ist Lachgas sogar noch sicherer als andere moderne Anästhesie-Optionen.

  • Es gibt buchstäblich keine Unverträglichkeitsreaktionen – in über 150 Jahren Anwendung wurde keine einzige allergische Reaktion beschrieben.
  • Anders als andere Sedativa wirkt Lachgas nicht auf Atmung, Kreislauf und innere Organe.
  • Es wird unverändert wieder ausgeatmet, belastet also Leber oder Niere nicht.
  • Sie bleiben vollkommen bewusst, hören alles, was der Zahnarzt zu Ihnen sagt und können ohne Verzögerung darauf reagieren.
  • Es gibt keine Erinnerungslücken.
  • Lachgas wirkt nicht nur schnell, sondern hört auch ebenso schnell wieder auf zu wirken.

Wenn Sie am Tag Ihres Zahnarztbesuchs noch etwas vorhaben, bei dem Sie Ihre Sinne wirklich beisammen haben müssen, ist Lachgas die Sedierung Ihrer Wahl. Das Gas verlässt den Körper, wie es gekommen ist – mit der Atemluft – und hinterlässt keinerlei Nachwirkungen. Sie sind weder müde und benommen, wie das bei anderen Sedativa häufig vorkommt, noch verwirrt, wie es mit Dormicum & Co. selten einmal passieren kann. Daher ist zum Beispiel auch Ihre Fahrtauglichkeit nach einer Lachgassedierung nicht eingeschränkt.

  • Und: Lachgas ist sehr gut für Kinder geeignet (ab vier Jahren)

Kinder reagieren auf andere Sedativa vergleichsweise häufig unvorhersehbar – mal ist die Dosis zu schwach, mal zu stark, mal kommt es zu paradoxen Reaktionen. Mit Lachgas lassen sich die kleinen Patienten sehr kontrolliert und mit gut vorhersehbarem Ergebnis sedieren.

In den USA setzen viele Zahnärzte das Gas daher bei Kindern praktisch routinemäßig ein. Vielleicht ein bisschen zu routinemäßig für unseren Geschmack – denn die aktive psychische Auseinandersetzung mit der angsterregenden Situation, an der man ja auch “wachsen” kann, wird mit der Lachgassedierung natürlich umgangen… Aber die Botschaft, die uns hier erst einmal interessiert, ist die: Lachgas ist sicher.

So funktioniert die Lachgassedierung

Über eine Nasenmaske atmen Sie im Behandlungsstuhl eine Mischung aus Lachgas und reinem Sauerstoff ein. Der Lachgasanteil im Gasgemisch lässt sich stufenlos zwischen 0 und 70 Prozent regulieren. Beginnend mit reinem Sauerstoff, erhöhen wir den Lachgasanteil in den ersten Minuten schrittweise, bis der gewünschte Sedierungsgrad erreicht ist und der Zahnarzt ans Werk gehen kann. Ein Pulsoximeter-Fingerclip überwacht Ihren Puls und den Sauerstoffgehalt Ihres Blutes, und die Zusammensetzung des Gasgemisches kann im Laufe der Behandlung immer wieder angepasst werden. Am Ende der Behandlung atmen Sie für ein paar Minuten reinen Sauerstoff, der das Lachgas aus Ihrer Lunge spült. Nach etwa einer Viertelstunde sind Sie fit für den Nachhauseweg.

Die Dauer einer Lachgassedierung ist kaum eingeschränkt: Bis zu vier Stunden währende Behandlungen können damit völlig unproblematisch durchgeführt werden.

Der anästhesierende Effekt von Lachgas reicht nicht aus, um wirklich schmerzhaften Behandlungen den “Stachel” zu nehmen. Sind Schmerzen zu erwarten, wird zusätzlich ein Lokalanästhetikum gespritzt – den Einstich der Spritze spüren Sie dank Lachgas aber kaum.

In diesen Fällen kommt Lachgas-Sedierung nicht in Frage

Zunächst muss für eine Lachgassedierung natürlich die Nasenatmung uneingeschränkt möglich sein – mit einem schweren Schnupfen wird es also nichts mit der angenehmen Sedierung …

Für Patienten, die sich wild entschlossen weigern, das Ordinationszimmer zu betreten, sich in den Behandlungsstuhl zu setzen oder die Nasenmaske aufzuziehen, ist Lachgas die falsche Wahl – eine gewisse Kooperativität müssen wir voraussetzen.

Die wichtigste relative Kontraindikation für eine Lachgassedierung ist eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Das kann eine sogenannte Raucherlunge sein, aber auch eine Schädigung der Lunge durch Umwelteinflüsse – jedenfalls ist die COPD gar nicht selten. Wer daran leidet, ist während der Lachgassedierung einem gewissen Risiko einer Verminderung des Atemantriebs ausgesetzt. Deswegen ist Lachgas für diese Patienten nicht die erste Wahl. (Für Asthmatiker dagegen ist die Lachgassedierung gut geeignet – sie vermindert sogar das Risiko, während der Behandlung einen Asthmaanfall zu bekommen.)

Bei bestehender Drogenabhängigkeit kommt Lachgas nicht in Frage. Zusammen mit dem Chemotherapeutikum Bleomycin wirkt Lachgas lungentoxisch: Zwischen der letzten Behandlung und der Lachgassedierung müssen mehrere Monate liegen!

Weitere Kontraindikationen sind eher exotisch. Lachgas kann sich in luftgefüllten Körperhohlräumen ansammeln und zu einer Ausdehnung dieser Hohlräume führen. Das wird bei bestimmten medizinischen Problemen zum Problem – konkret sind das Pneumothorax (ein “Loch” im Brustfell, durch das je nach Schwere mehr oder weniger Luft in die Pleurahöhle gelangt), Darmverschluss (wenn Sie den haben, sagen Sie vermutlich Ihren Zahnarzttermin ohnehin ab), Mittelohrentzündung (bei entzündungsbedingtem Verschluss der eustachischen Röhre zwischen Mittelohr und Nase kommt es durch Lachgas zu einer schmerzhaften Druckerhöhung im Ohr) und  eine kürzlich stattgefundene Vitrektomie mit Gastamponade.  Letzteres, die Entfernung des Glaskörpers des Auges, wird beispielsweise im Zusammenhang mit einer Netzhautablösung routinemäßig vorgenommen (und ist tatsächlich weniger schlimm, als es klingt). Der Augapfel wird danach oft mit einem Spezialgas gefüllt, das im Laufe einiger Wochen langsam durch Gewebeflüssigkeit ersetzt wird. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, kommt eine Lachgassedierung wieder in Frage – denn Lachgas kann die Gasblase im Augapfel vergrößern und dadurch die gerade erst reparierte Netzhaut schwer schädigen.

Wichtige Frage – müssen Sie denn nun wirklich lachen?

Das kann in der Tat sein. In der ersten Phase der Sedierung kommt es häufig zu euphorischen Gefühlen, auch zu leichten optischen Halluzinationen – und da kann es schon passieren, dass Ihnen einmal etwas sehr amüsant vorkommt. Es gibt Schlimmeres…

Wir zielen allerdings auf eine etwas tiefere Sedierung ab, die nach wenigen Minuten einsetzt. Dann sind Sie einfach nur noch ruhig, tief entspannt und fühlen eine angenehme Distanz zu dem, was um Sie herum vorgeht.


(Foto: ©Anasthasia Shilova, shutterstock.com)

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