So läuft die Narkose beim Zahnarzt – nichts sehen, nichts hören, nichts spüren

So läuft die Narkose beim Zahnarzt – nichts sehen, nichts hören, nichts spüren

Bei Angstpatienten gibt es fast immer einen ausgeprägten Behandlungsstau – das Ergebnis manchmal jahrzehntelangen Ausweichens vor der Notwendigkeit eines Zahnarztbesuchs. Wenn die Schmerzen unerträglich werden oder aus anderen Gründen die Einsicht wächst, steht nicht selten eine aufwändige Gebisssanierung an, die selbst deutlich mutigeren Patienten den Schweiß auf die Stirn treiben würde.

Und auch Kinder oder geistig behinderte Menschen können eine so extreme Angst vor dem Zahnarzt an den Tag legen, dass sie sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, das Ordinationszimmer auch nur zu betreten – selbst wenn es vielleicht nur um eine kleine Kariesbehandlung geht.

So klappts mit der Behandlung

In solchen Fällen kann der Zahnarzt die Behandlung in Vollnarkose anbieten. Und auch für Patienten, denen lange und aufwändige kieferchirurgische Behandlungen bevorstehen, ist eine Narkose zu erwägen. Zwar können Sie auch mit Lokalanästhesie und Dämmerschlafsedierung schmerzfrei und entspannt bleiben. Stundenlanges Mundaufsperren aber bringt auch den entspanntesten Patienten an seine Grenzen – und ehrlich gesagt gehen manche Prozeduren einfach schneller und unkomplizierter vonstatten, wenn Würge- und Hustenreflexe ausgeschaltet sind und der Zahnarzt oder Kieferchirurg im Mund komplett freie Hand hat.

Der mobile Anästhesist kommt in die Zahnarztpraxis

Die Vollnarkose ist ein Eingriff in wichtige Körperfunktionen und sollte nicht leichtfertig angesetzt werden – aber sie ist auch kein Grund, sich Sorgen zu machen: Wenn sich Zahnarzt und Anästhesist an die gültigen Standards halten, ist eine Narkose heute sehr sicher.

Alle Belange der Narkose liegen auch beim Zahnarzt in den Händen eines erfahrenen Fachmanns: Die MeinZahn Ordination beispielsweise arbeitet in Sachen Narkose mit dem Team von meine anästhesie  zusammen. Die mobilen Anästhesie-Spezialisten haben ihre moderne, transportable Ausrüstung für Einleitung, Intubation und Überwachung der Narkose im Gepäck – und natürlich auch alles Nötige für die schnelle Hilfe, wenn es doch mal ein Problem mit Atmung oder Kreislauf gibt.

Das Vorgespräch

Im Vorfeld der Behandlung führt der Anästhesist mit dem Patienten (und den Eltern von Minderjährigen) ein vorbereitendes und aufklärendes Gespräch. Hier wird anhand einer Untersuchung und eines Fragenkatalogs zu Vorerkrankungen, Medikamenten und Allergien geklärt, ob der Patient ein geeigneter Kandidat für eine Narkose ist. Ist das entschieden, erläutert der Anästhesist, was vor, während und nach der Narkose geschieht – gern auch kindgerecht anhand von einfach verständlichem Bildmaterial.

Am Tag des Eingriffs

Ab mindestens sechs Stunden vor Beginn der Narkose dürfen Sie nichts mehr essen, und ab zwei Stunden auch nichts mehr trinken. Ausgenommen sind angstlösende Medikamente (gewöhnlich eine kleine Dosis Midazolam – Handelsname Dormicum), die der Anästhesist eventuell verordnet, um schon den Weg in die Praxis zu erleichtern: Wenn Sie die mit einem Schluck Wasser einnehmen, verstoßen Sie nicht gegen das Nüchternheitsgebot.

In der Ordination

Zu Beginn der Narkose wird ein Zugang für die Medikamente in eine Armvene gelegt. Für Patienten, die das nicht tolerieren, besteht auch die Möglichkeit, die Narkose zunächst ganz sanft mit einem über eine Atemmaske verabreichten Inhalationsanästhetikum einzuleiten.

Eine durch den Venenzugang gegebene Kombination eines Narkosemedikaments und eines Anästhetikums versetzt Sie sodann in schmerzfreie Bewusstlosigkeit. Dieser Zustand wird durch kontinuierliches Nachdosieren der Medikamente so lange aufrechterhalten, wie die Behandlung dauert. Während der Narkose werden Herzschlag, Blutdruck, Sauerstoffgehalt des Blutes und Kohlendioxidgehalt der Atemluft kontinuierlich mit EKG-Gerät, Blutdruckmessgerät, Pulsoxymeter und Kapnometer überwacht.

Da infolge der Narkose der Atemantrieb aussetzt, wird der Anästhesist gleich nach der Einleitung die Intubation für die künstliche Beatmung vornehmen. Eine Beatmung über eine Maske, wie sie in anderen medizinischen Fachrichtungen während der Narkose eingesetzt werden kann, kommt beim Zahnarzt nicht in Frage: Wir brauchen ja Zugang zu Ihrem Mund.  Daher wird ein dünner Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt (aus naheliegenden Gründen möglichst durch die Nase). Der Zwischenraum zwischen Schlauch und Luftröhrenwand wird durch eine aufblasbare Manschette abgedichtet: So ist sichergestellt, dass keine Flüssigkeiten oder Fremdkörper in die Luftröhre gelangen. Nun übernimmt der Zahnarzt und tut, was zu tun ist – wenn nötig, auch in einem mehrere Stunden währenden Behandlungsmarathon.

Am Ende der Behandlung wird die Zufuhr der Narkosemedikamente gestoppt. Bald darauf setzt die Spontanatmung wieder ein und der Luftschlauch wird entfernt. Mit dem Munterwerden können Sie sich in unserem Aufwachraum so viel Zeit lassen, wie Sie brauchen. Unter Beobachtung durch eine Pflegekraft verbringen Sie hier noch mindestens zwei Stunden. Wenn Sie wieder soweit fit sind, können Sie in Begleitung nach Hause gehen. Stellen Sie bitte im Voraus sicher, dass für den Rest des Tages jemand bei Ihnen sein kann: Auch zu Hause dürfen Sie jetzt noch nicht alleine bleiben.

Nach der Narkose

Mitunter kommt es infolge der Intubation zu Heiserkeit und/oder Schluckbeschwerden. Diese Reizung von Kehlkopf und/oder Stimmbändern sollte im Laufe weniger Tage abklingen.

Seltene Komplikationen nach der Narkose sind zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Verwirrtheit. Da Zahnarztpatienten im Allgemeinen ansonsten bei guter Gesundheit sind, treten diese Nebenwirkungen bei unserer Klientel noch seltener auf als ohnehin schon – geschätzt ist vielleicht einer von zehntausend Patienten betroffen.

Nebenwirkungen, die nach der Narkose recht häufig auftreten, sind Übelkeit und Erbrechen sowie Frieren: Halten Sie sich zu Hause schön warm, trinken Sie etwas Warmes und gehen Sie es mit dem Essen langsam an. Gern geben wir Ihnen auch Medikamente gegen Übelkeit (und natürlich gegen Schmerzen) mit nach Hause. In jedem Fall gilt: Der Rest des Behandlungstages ist nur zum Ausruhen da.


(Foto: Rido, shutterstock.com)

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