Zahnbehandlung ohne Schmerzen – intraligamentäre Anästhesie

Wussten Sie, dass Sie bei MeinZahn auch bei Behandlungen im Unterkiefer die Vorteile eines besonders nebenwirkungsarmen Anästhesieverfahrens genießen?

Der Unterkiefer: “Sorgenkind” der Lokalanästhesie

Die Lokalanästhesie ist ein wahrer Segen für die Zahnmedizin: Eine potentiell schmerzhafte Zahnbehandlung muss sich heute ganz selbstverständlich niemand mehr ohne örtliche Betäubung antun. Die beiden üblicherweise in Zahnarztpraxen angewendeten Anästhesieverfahren sind Infiltrations- und Leitungsanästhesie.

Im Oberkiefer kommt überwiegend die unproblematische Infiltrationsanästhesie zum Einsatz: Dabei wird einfach an der Vorderseite des Kieferkamms zahnnah ein Anästhetikum injiziert, das durch Schleimhaut und Knochen zu den Zahnwurzeln gelangt. Das geht schnell und funktioniert sehr zuverlässig, weil der vor den Zahnwurzeln befindliche  Kieferknochen hier nur eine dünne Lamelle ist. Im Unterkiefer sieht es etwas anders aus: Dort sind die Zähne in dickeren, dichteren Knochen eingebettet, der vom Anästhetikum nicht ausreichend durchdrungen werden kann. Das übliche Anästhesieverfahren der Wahl ist hier die sogenannte Leitungsanästhesie.

Bei der Leitungsanästhesie kommt es darauf an, das Anästhetikum in unmittelbarer Nähe einer beidseits ziemlich weit hinten im Unterkieferknochen verborgenen kleinen Öffnung zu applizieren. Durch diese tritt der wichtigste den Unterkiefer versorgende Nervenast hindurch, wobei er auf einer kurzen Strecke nur etwa zwei Zentimeter tief im Gewebe verläuft. Den Nerven genau dort mit dem Anästhetikum zu erreichen, ohne ihn zu verletzen oder eines der parallel durchtretenden Blutgefäße zu treffen, ist eine wesentlich größere Herausforderung als die Infiltrationsanästhesie im Oberkiefer. Komplikationen oder das Versagen der Betäubung sind etwas häufiger, und auch wenn alles klappt, sind die Nebenwirkungen der Anästhesie nicht von Pappe.

Stundenlang taub: Nebenwirkungen der Leitungsanästhesie im Unterkiefer

Gern bleibt mal die eine Gesichtshälfte stundenlang ohne Gefühl, es gibt Schwierigkeiten beim Kauen, Sprechen, mit der Mimik, oder man beißt sich beim Essen böse in die Mundschleimhaut, ohne es richtig zu merken. Mitunter kommt es auch zu weitergehenden Nebenwirkungen auf Kreislauf und Nervensystem – im Extremfall fühlen Sie sich so dumpf und neben der Spur, dass Sie für den Rest des Tages nicht mehr richtig zu gebrauchen sind. Es gibt Patienten, die genau aus diesen Gründen bewusst auf die Lokalanästhesie verzichten, wo immer es geht. Die meisten aber sind natürlich trotzdem froh, dass sie den ziehenden Schmerz einer wurzelnahen Zahnbehandlung nicht spüren müssen und nehmen die Nebenwirkungen in Kauf.

Müssten sie aber eigentlich nicht.

Für Einzelzahnbehandlungen im Unterkiefer gibt es eine bessere Methode!

Mit der intraligamentären Anästhesie (ILA) steht der Zahnmedizin ein elegantes Anästhesieverfahren zur Verfügung, das alle negativen Folgen der Leitungsanästhesie vermeidet. Die übliche Leitungsanästhesie schaltet, um einen einzigen Zahn schmerzfrei zu behandeln, gleich das Gefühl in der ganzen Unterkieferhälfte aus. Demgegenüber betäubt die ILA selektiv nur den Zahn, um den es gerade geht. Und dafür braucht sie dann natürlich auch deutlich weniger Betäubungsmittel.

Leider wird die intraligamentäre Anästhesie, obschon bereits seit über 100 Jahren bekannt, nur in wenigen Zahnarztpraxen angewendet. Das liegt wohl daran, dass sie während der zahnmedizinischen Ausbildung oft nicht gründlich genug gelehrt wird. Denn eigentlich hat die Methode für Patienten nur Vorteile. Und ist die Injektionstechnik erst einmal gemeistert, bereitet die ILA auch dem Zahnarzt viel weniger Sorgen als die Leitungsanästhesie. Ganz großes Plus für alle Seiten: Es gibt so gut wie keine Fälle von “Anästhesieversagen”.

Auf direktem Weg zur Wurzelspitze: Wie funktioniert die intraligamentäre Anästhesie?

Für die ILA wird ein Betäubungsmittel unter Umgehung des Kieferknochens direkt neben dem Zahn in das Zahnfach injiziert – also in das Bindegewebe des Zahnhalteapparats, das den schmalen Spalt zwischen Zahnwurzel und umgebendem Kieferknochen ausfüllt. Dabei wird nur ein Bruchteil der bei der Leistungsanästhesie eingesetzten Betäubungsmittelmenge benötigt: 0,2 Milliliter reichen aus. Für die Injektion nutzt der Zahnarzt ein spezielles Gerät (in der Regel eine sogenannte eine Dosierhebel- oder Dosierradspritze) mit kurzer, sehr feiner Kanüle. Die Injektion muss ganz langsam und unter hohem Druck durchgeführt werden, um den Druck im Gewebe zu überwinden. Dadurch dauert sie trotz der winzigen Menge Flüssigkeit um die 30 Sekunden – aber immerhin ist die feine Kanüle um vieles weniger schmerzhaft als die auch optisch sehr respektgebietende Spritze, die bei der Leitungsanästhesie verwendet wird. Zähne mit einer Wurzel erhalten in der Regel zwei Injektionen, bei Molaren mit mehreren Wurzeln genügt eine Injektion pro Wurzel.

Das Betäubungsmittel sickert durch das Zahnfach und erreicht die Wurzelspitze(n), wo es die Nervenenden betäubt, die den Zahn versorgen. Das geht so schnell, dass der Zahn bereits nach wenigen Sekunden anästhesiert ist.  Die Wirkung hält 20 bis 30 Minuten an – das reicht bequem für eine nicht zu aufwändige Kariessanierung, die Präparation für ein Inlay oder eine Krone, oder eine Zahnextraktion. Natürlich kann auch noch einmal nachdosiert werden. Bei längeren Behandlungen (etwa bei erschwerten Weisheitszahnextraktionen) ist eine Leitungsanästhesie dann allerdings doch zweckmäßiger.

Nebenwirkungen der intraligamentären Anästhesie

Wie bereits erwähnt: Die ILA ist sehr nebenwirkungsarm und birgt keine denen der Leitungsanästhesie vergleichbaren Risiken: Durch die sehr geringe Menge des Anästhetikums werden weder Kreislauf noch Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, und bei der Injektion in das Zahnfach kann es auch nicht versehentlich zur Verletzung von Nerven oder Blutgefäßen kommen.

Wird die ILA an den hintersten Zähnen im Unterkiefer angewendet, deren Wurzelspitzen sehr nahe am Hauptnerven liegen, kann es passieren, dass sie wie eine Mini-Leitungsanästhesie wirkt und auch die weiter vorn gelegenen Zähne etwas mit betäubt. Mitunter auftretende Nebenwirkungen der ILA sind ein leichter Druckschmerz des behandelten Zahns sowie eine zeitweise Elongation (durch Anschwellen des Bindegewebes wird der Zahn ein Stückchen aus dem Zahnfach herausgedrückt), die auch mit Empfindlichkeit beim Zubeißen einhergehen kann. Diese Effekte haben sich spätestens nach wenigen Stunden erledigt. Weiterhin kann es infolge der Injektion manchmal zu einer noch einige Tage spürbaren lokalen Zahnfleischreizung kommen.

Auf einen Blick: Die Vorteile der intraligamentären Anästhesie

  • schmerzarme Injektion mit speziellem Injektions-Pen (kaum Trigger für Spritzen-Phobiker)
  • viel weniger Anästhetikum notwendig, dadurch praktisch nebenwirkungsfrei: schonend für Kinder, Herz-Kreislauf-Risikopatienten und alle anderen, die die systemischen Nebenwirkungen der Leitungsanästhesie nicht gut vertragen
  • kein Verletzungsrisiko von Nerven durch die Injektion
  • keine versehentliche Injektion von Anästhetikum in ein größeres Blutgefäß
  • sehr gut wirksam
  • wirkt nur auf einen Zahn: kein Taubheitsgefühl im umliegenden Gewebe
  • Wirkung setzt schnell ein und klingt nach 20 bis 30 Minuten wieder ab: keine stundenlangen Nachwirkungen

Damit kann die ILA im Unterkiefer die konventionelle Leitungsanästhesie für fast alle zahnärztlichen Routinemaßnahmen vorteilhaft ersetzen – und unsere Patienten sind begeistert!


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