Narkose beim Zahnarzt – Zahnbehandlung unter Narkose

Heutzutage muss kein Patient beim Zahnarzt mehr Schmerzen erdulden!
In der modernen Zahnmedizin kommt für längere, aufwändige Eingriffe beziehungsweise für, aus dem einen oder anderen Grund “komplizierte” Patienten (Menschen, die große Angst vor dem Zahnarzt haben, Kinder oder auch Menschen mit Beeinträchtigung), die Behandlung unter Narkose zum Einsatz.

Dieser Beitrag widmet sich vor allem der (Zahn-) Behandlung von Kindern unter Narkose, selbstverständlich gilt das Geschriebene auch für Erwachsene Patienten mit großer Zahnarztangst und Menschen mit Beeinträchtigung.

Zahn-OP bei Kindern: Sinn, Segen (und Risiken) der Behandlung in Vollnarkose

Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Eine behutsame Gewöhnung an Zahnarztbesuche beginnt am besten, sobald die ersten Zähnchen da sind. So kann der Arzt das Milchgebiss im Auge behalten und Probleme früh erkennen. Und die kleinen Patienten haben die Chance, sich in Ruhe und Gelassenheit davon zu überzeugen, dass die Zahnarztpraxis kein Ort des Schreckens ist. (Es schadet auch nicht, wenn am Ende des Termins eine kleine Belohnung winkt.) Aber nicht immer läuft es eben so ideal.

Aufwändig bohren, überkronen, Zähne ziehen: Bei Kindern und Menschen mit Beeinträchtigung kaum ohne Narkose möglich

Manche Kinder reagieren außerordentlich sensibel auf Unbekanntes. Mitunter sind es die Eltern, die ungewollt ihre eigene Zahnarztangst auf die Kinder übertragen. Und manchmal wurde die Bedeutung regelmäßiger Vorsorgetermine einfach nicht erkannt … oder jedenfalls nicht entsprechend gehandelt. Wie auch immer: Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen. Eine Zahn-OP steht an, kariöse Milchzähne müssen aufwändig saniert oder gar gezogen oder werden. Was nun?

Beim langwierigen Bohren oder gar beim Zähneziehen stillsitzen und den Mund aufsperren? Kleinkinder, Vorschul- oder Grundschulkinder sind keine Zen-Meister. Selbst wenn eine lokale Betäubung den Schmerz völlig ausschalten kann (so man sich denn auf die pieksende Spritze einlassen könnte) – es bleibt immer noch viel Beängstigendes. Und manchmal überfordert allein schon die Dauer eines Eingriffs das Sitzfleisch von Kindern.

In einem solchen Fall ist die Zahnbehandlung unter Vollnarkose meist die einzige Chance, “Grund” in ein erkranktes Milchgebiss zu bringen.

Milchgebiss behandeln: Warum wir das nicht weiter aufschieben sollten

Karies im Milchgebiss sieht nicht schön aus – das wissen auch Kinder. Und schämen sich. Karies im Milchgebiss kann genau so heftige Zahnschmerzen verursachen wie Löcher in den bleibenden Zähnen. Resultierende Schonstrategien können das Kau- und Schluckverhalten beeinflussen und so die normale Entwicklung im Bereich von Mundhöhle und Kiefer stören. (Befragen Sie mal einen Kieferorthopäden – oder auch einen Logopäden – zum Thema!) Die beherdeten Milchzähne können die Anlagen der bleibenden Zähne infizieren. Und schließlich können die permanent freigesetzten Keime und Toxine den gesamten Organismus belasten.

Besser spät als nie, sagen deshalb Zahnarzt oder Zahnäztin, und empfehlen wenn nötig die Sanierung unter Generalanästhesie.

Das ist bei der Narkose für Kinder wichtig

Allerdings: Viele Eltern machen sich Sorgen um mögliche Nebenwirkungen und Gefahren einer Narkose bei Kindern. Einzelfälle, in denen Todesfälle unter Narkose auftraten, haben Schlagzeilen gemacht, und in den letzten Jahren ist auch eine gewisse Verunsicherung entstanden, was den Einfluss einer Narkose im frühen Kindesalter auf die kognitive Entwicklung betrifft.

Lassen Sie mich es so formulieren: Ihre Sorgen sollten Sie dazu motivieren, bei der Narkose noch einmal extragenau hinzuschauen. (Und später gemeinsam mit Ihrem Kind daran zu arbeiten, den einmal gewonnenen “Grund” nicht wieder aufs Spiel zu setzen.) Wie zeitgemäß die eingesetzten Anästhesiemethoden beim Zahnarzt sind, können Sie zwar als Laie kaum beurteilen – aber Ihr Bauchgefühl dabei, wie Arzt und Anästhesist im Vorgespräch agieren, wie sie auf Nachfragen und Unsicherheiten eingehen, ist auch schon ein recht guter Ratgeber.

  • Wird die Narkose nicht leichtfertig angesetzt? Haben Zahnarzt und Anästhesist ausreichend Geduld mit Ihrem Kind, und wurden andere Möglichkeiten der Sedierung begründet verworfen?
  • Werden ausführliche Voruntersuchungen durchgeführt, um mögliche besondere Risiken einer Narkose zu beurteilen?
  • Verfügt der Zahnarzt über ausreichend Erfahrung mit Narkosebehandlungen, ist die Praxis entsprechend ausgestattet?
  • Bringt der Anästhesist einen Fachassistenten mit, der bei Zwischenfällen mit eingreifen kann und auch während der Aufwachphase präsent bleibt?

Je eingespielter und erfahrener das Team aus Zahnarzt, Anästhesist und Fachassistenz ist, desto professioneller wird bei eventuellen Problemen gehandelt. Und dann ist die Narkose beim Zahnarzt auch für Kinder eine sehr sichere Anästhesiemethode.

Klein, aber nicht zu vernachlässigen: Risiken der Narkose im Kindesalter

Die gravierendsten Risiken einer Narkose bei Kindern sind einerseits ein Herzstillstand (auch wenn diese Komplikation nur extrem selten auftritt, muss gewährleistet sein, dass gegebenenfalls auch in der Zahnarztpraxis effektiv reanimiert werden kann) und andererseits Probleme mit der Atmung nach dem Eingriff (entweder durch eine Atemlähmung oder durch Anschwellen von Stimmritze oder Schleimhäuten nach Entfernen des Intubationsschlauches – das passiert bei Kindern schneller als bei Erwachsenen). Damit rechtzeitig und adäquat reagiert werden kann, ist die Einhaltung folgender Standards nicht verhandelbar:

  • Die Vitalfunktionen müssen während des Eingriffs und im Aufwachraum permanent überwacht werden.
  • Das Kind darf nicht allein (und auch nicht nur mit den Eltern) im Aufwachraum sein.

Ein weiteres Risiko ist das der sogenannten unerwünschten Wachheit: Bei Kindern kann es etwas häufiger als bei Erwachsenen vorkommen, dass sie während einer Narkose das Bewusstsein wiedererlangen, sich aber nicht mitteilen können – mit möglicherweise traumatischen Folgen. Für Kinder lässt sich dieses Risiko statistisch mit etwa einem Prozent beziffern. Das zusätzliche Augenpaar eines Anästhesiepflegers hilft dabei, unerwünschte Wachheit zu erkennen, und ein erfahrener Anästhesist kann Narkosemittel so genau dosieren und nachdosieren, dass die Narkose mit größtmöglicher Sicherheit weder zu tief noch zu flach ist.

Das Erbrechen und Aspirieren von Mageninhalt ist eine potentielle Komplikation, zu deren Verhinderung in erster Linie die Patienten selbst beitragen können: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind wirklich sechs Stunden vor der Zahn-OP nichts mehr isst – nicht einmal einen Traubenzuckerbonbon! – und zwei Stunden vorher auch nichts mehr trinkt.

Die “normalen” Nebenwirkungen einer Narkose – damit müssen Sie rechnen

Manchmal ist es so, dass ein Kind nach der Narkose einfach noch nicht ganz richtig wieder “da” ist – in etwa so, wie wenn es halb aus einem (Alp-)Traum erwacht. Es verhält sich ungewöhnlich, schreit vielleicht untröstlich, jammert monoton oder wirkt besonders agitiert. Bei alldem ist es durch Worte oder Berührungen nicht zu erreichen. Mit einem Beruhigungsmittel kann diesen für die Eltern beunruhigenden Zwischenfällen die Spitze genommen werden – sie sind aber ebenso wenig gefährlich wie ein schlechter Traum.

Nicht gerade selten sind nach einer Vollnarkose zudem Übelkeit und eine Reizung des Rachens durch die Intubation. Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und/oder Heiserkeit sollten aber nach ein, zwei Tagen wieder vorbeisein.

Gibt es besondere Risiken der Vollnarkose bei Kleinkindern?

Bei Kindern unter vier Jahren gibt es zum Thema Narkoserisiko noch etwas mehr zu sagen: Kleinere Studien hatten nämlich vor einigen Jahren den Verdacht nahegelegt, dass eine Narkose bei Kleinkindern und Babys das Gehirn schädigen könnte. Später konnte allerdings weitgehend Entwarnung gegeben werden: Umfangreiche Kohortenstudien aus Schweden, Kanada, den USA und Australien fanden keinen beziehungsweise im Vergleich mit anderen Faktoren wie Einschulungsalter und Bildungsstand der Mutter lediglich minimalen Einfluss einer im Kleinkindalter komplikationsfrei überstandenen Narkose auf Schulnoten und IQ.

Mit dieser doch recht beruhigenden Nachricht wird wieder der Blick frei auf den negativen Einfluss, den ja auch das Aufschieben einer notwendigen Operation auf die Entwicklung eines Kindes haben kann. Arzt oder Zahnarzt, Anästhesist und Eltern müssen hier gemeinsam im Sinne des Kindeswohls abwägen.

In diesem Beitrag geht es darum, wie genau in der Ordination MeinZahn eine Vollnarkose abläuft – und wie es mit den Kosten für die Narkose und der Kostenübernahme für Ihr Kind steht.

 


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