Ein wurzelbehandelter Zahn macht Ärger. Muss jetzt die Wurzelspitze ab?

Ein wurzelbehandelter Zahn macht Ärger. Muss jetzt die Wurzelspitze ab?

Wenn nach einer Wurzelkanalbehandlung im Bereich des behandelten Zahn wieder Schmerzen auftreten, ist das gewöhnlich ein Zeichen dafür, dass die Behandlung nicht so ganz erfolgreich war. Vermutlich wurden die Wurzelkanäle nicht vollständig aufgearbeitet, verbliebene Bakterien haben sich vermehrt, oder neue Bakterien sind von außen durch eine undichte Füllung ins Zahninnere eingedrungen. Die Bakterien haben eine chronische Entzündung des Kieferknochens um die Wurzelspitze ausgelöst, die schmerzt und Schwellungen verursacht.

Es gehört zu den Risiken einer Wurzelbehandlung, dass der Zahnarzt einmal eine Kanalverzweigung oder gar einen ganzen Kanal übersieht oder die Kanäle nicht auf ganzer Länge vollständig reinigt. Gerade beim Arbeiten ohne Mikroskop kann das schon einmal passieren. Das oft verzweigungsreiche “Delta” in der Wurzelspitze ist diesbezüglich  eine besondere Herausforderung. (Durch unsere Arbeit mit dem OP-Mikroskop gelingt es dem Team der MeinZahn Ordination, das Risiko übersehener Strukturen und unzulänglicher Aufarbeitung der Kanäle deutlich zu verkleinern.)

Zeigen sich (oft erst Jahre nach einer Wurzelbehandlung) Symptome einer chronischen Kieferknochenentzündung, wird als nächster Schritt oft eine Wurzelspitzenresektion angesetzt.

Eine Wurzelspitzenresektion – was ist das?

Kurz gesagt: Bei einer Wurzelspitzenresektion wird in einem kieferchirurgischen Eingriff ein etwa drei Millimeter langes Stückchen vom Ende der Zahnwurzel entfernt. Dann wird von außen die Dichtigkeit der Kanalfüllung überprüft und gegebenenfalls ausgebessert. Gleichzeitig wird das entzündete Gewebe rund um die Wurzelspitze ausgeräumt.

Um an die Zahnwurzel heranzukommen, schneidet der Kieferchirurg eine kleine Klappe ins Zahnfleisch über dem Kieferknochen und fräst ein Fensterchen in den Knochen. Nach dem Eingriff wird die Zahnfleischklappe wieder vernäht, und der Kieferknochen darunter regeneriert sich innerhalb einiger Wochen. Im Grunde ist das Ganze soweit ein kieferchirurgischer Routineeingriff.

Bei MeinZahn können wir die Anzahl der durchgeführten Wurzelspitzenresektionen in den meisten Jahren trotzdem an den Fingern einer Hand abzählen. Ebenso wie die wenigen guten Gründe für eine Wurzelspitzenresektion:

  • Eine erneute Wurzelkanalbehandlung ist aufgrund der Anatomie des Zahns (gekrümmte Wurzel, Wurzelkanäle mit extremen Engstellen) nicht erfolgversprechend.
  • Der Zahn wurde aufwändig prothetisch versorgt: etwa mit einer Stiftkrone, die von einem im Kanal steckenden Wurzelstift getragen wird.
  • An der Wurzelspitze wächst eine (sehr seltene) echte Zyste: In diesem Fall muss die Spitze ab, weil sich die Zyste aus der Wurzelhülle sonst immer wieder regeneriert

(Foto: Nadino, shutterstock.com)

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