Warum sind Kunststofffüllungen im Seitenzahnbereich nur für kleinere Kauflächen- und Zahnhalsfüllungen vertretbar?

Warum sind Kunststofffüllungen im Seitenzahnbereich nur für kleinere Kauflächen- und Zahnhalsfüllungen vertretbar?

Share Wenn es um die Kariessanierung (siehe auch: Karies, Wie entsteht Karies) im Seitenzahnberech geht, finanzieren die Kassen in fast allen Fällen lediglich Amalgamfüllungen. Das grau-silberne, quecksilberhaltige Material wird von den meisten Patienten nicht nur als ästhetisches Problem wahrgenommen, sondern auch als gesundheitliches Risiko. Zahnfarbene Kompositfüllungen (Kunststofffüllungen) sind daher nicht nur die Standardlösung im Frontzahnbereich, sondern als Alternative zum Amalgam auch für die großen und kleinen Backenzähne mittlerweile die am häufigsten gewählte Option.

Zahnfarbene Kompositfüllungen: die kosten- und zeitoptimierte Lösung

Kein Zweifel: Kunststofffüllungen sind im Vergleich mit Amalgamfüllungen einerseits und den in vieler Hinsicht solideren Keramikinlays andererseits eine ästhetische, kosten- und zeitoptimierte, substanzschonende Lösung für kleine Defekte im Zahn. Alles – von der Präparation der Kavität bis zur finalen Politur der Füllung – ist in einer relativ kurzen Sitzung erledigt, die Kosten hierfür liegen nur zwischen 68 und 131 Euro. Eine gut (das heißt in erster Linie trocken!) verarbeitete  Kunststofffüllung kann viele Jahre halten – wenn ihre Leistungsfähigkeit nicht überfordert wird.

Was sind die Limitationen von Kunststofffüllungen?

Schlechtere Haftung am Dentin

Kunststofffüllungen haften hervorragend am Zahnschmelz. Durch Aufrauen der Schmelzoberfläche mit Phosphorsäure vor dem Einbringen des flüssigen Primer-Kunststoffs entsteht eine stark vergrößerte, mikroskopisch quasi “gezackte” oder “zottige” Kontaktfläche zwischen Kunststoff und Schmelz, die für eine sehr feste Verbindung zwischen den beiden Materialien sorgt. Das kann leider nicht in gleichem Maße für Dentin, das unter dem Schmelz liegende Zahnbein, gesagt werden.

Im Vergleich zum Schmelz ist Dentin feuchter und reicher an organischer Substanz. Beide Eigenschaften verringern die Haftung mit dem in seiner Natur eher wasserabweisenden Kompositkunststoff. Das heißt, je weiter eine Kunststofffüllung ins Dentin reicht, desto hinfälliger wird die Verbindung zwischen Füllung und Zahn.

Bildung eines Randspalts

Kunststofffüllungen schrumpfen bei der Aushärtung. Dadurch entsteht eine nach innen gerichtete Zugspannung im Füllmaterial, die der Haftung am Zahn entgegenwirkt. So bildet sich im Laufe einiger Wochen und Monaten nach dem Einbringen der Füllung unvermeidlich ein kleiner Randspalt zwischen Füllung und Zahn. Besonders breit wird dieser Spalt bei tiefen Füllungen. Je größer der Randspalt, desto mangelhafter ist erstens die Befestigung der Füllung, und desto höher ist zweitens das Risiko, dass durch den Spalt Wasser und Bakterien eindringen. Wasser  verschlechtert die Haftung des Kunststoffs weiter, Bakterien können zur Entwicklung einer Sekundärkaries unter dem Füllmaterial führen.

Konsequenzen für den Einsatz von Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich

Kleine und flache Kunststofffüllungen sind aus den eben genannten Gründen haltbarer als große und tiefe. Weiterhin ist die Prognose für Kunststofffüllungen am Zahnhals und im Zahnzwischenraum schlechter als die für solche auf den Kauflächen. Das liegt in erster Linie daran, dass sich die Dicke des Zahnschmelzes von der Kaufläche zum Zahnhals hin verringert. Da das Kompositmaterial am Dentin weniger gut haftet, werden Zahnhalsfüllungen aus Kunststoff schneller locker als solche auf der Kaufläche.

Daher ist Kunststoff im Seitenzahnbereich zwar ein geeignetes Material für kleine, flache Kauflächen- und Zahnhalsfüllungen, aber weniger sinnvoll für große Füllungen. Speziell bei Kariesdefekten in den Zahnzwischenräumen kann ich Ihnen von einer Kunststofffüllung nur abraten. Bei Nichtbeachtung kann die Folge einer großen Kompositfüllung sein, dass die Füllung nach einigen Jahren für das bloße Auge sehr gut aussieht, im Zahnzwischenraum entsteht hingegen Karies, die man ohne Röntgenbild nicht sehen kann. Der Patient merkt den größer werdenden Defekt nicht, bis Schmerzen auftreten, wenn durch die Kariesbakterien das Zahnmark erreicht wurde.

Wird eine Kunststofffüllung am vorderen Zahnhals hinfällig, geht sie meist einfach verloren, Sie bemerken den Verlust und lassen die Füllung ersetzen. Dagegen kann eine Kompositfüllung im Zahnzwischenraum unbemerkt altern und Schäden verursachen – insbesondere dann, wenn Sie Vorsorgetermine ausfallen lassen, weil Sie keine Beschwerden haben.  Durch den sich vergrößernden Randspalt dringen Bakterien ein. Unter der Füllung entsteht eine tiefe Sekundärkaries, die Sie wahrscheinlich erst bemerken, wenn sie bis ins Zahnmark vorgedrungen ist und Schmerzen verursacht. Jetzt werden teure, umfangreiche Behandlungen nötig. Wurzelkanalbehandlung und aufwändige Überkronung sind noch die günstigste Variante. Ist der Zahn nicht zu halten, müssen Sie in eine Brücke oder ein Implantat investieren.

Bei Zwischenraumkaries lieber ein Keramikinlay wählen

Ein Keramikinlay wird passgenau für die Kavität angefertigt und mittels Adhäsivtechnik fest mit dem Zahn verklebt. Zugspannungen und Spaltbildung, wie sie bei Kompositfüllungen zu berücksichtigen sind, spielen hier keine Rolle. Das Inlay – obschon eine größere Investition in die Zahngesundheit – erweist sich dadurch gerade in weniger gut zugänglichen und schwieriger zu pflegenden Bereichen wie den Zahnzwischenräumen als die solidere Lösung. Und das macht sich langfristig auch bezahlt!

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